An diesen einen, bestimmten Ort denke ich oft. Ich weiß nicht, wie er aussieht und bis vor kurzem wusste ich nicht, wo er sich befindet.
Um 3 Uhr früh begann das »Abenteuer Westkarpaten« – so hatte ich es einige Tage zuvor beim Schreiben der Packliste getauft.
Die Siedlung schlief noch und wir luden das letzte Gepäck ein. Ich wusste, dass Vater sich nicht sicher war, ob sein alter, dunkelblauer Polo 86c die Fahrt zum Ende der Welt überstehen würde.
Gegen 13 Uhr hatten wir Wien erreicht. Etwas später, in Bratislava, wollten wir eigentlich eine Pause einlegen, doch es regnete wieder. Dieser Tag war ein endloses Fahren – unser Ziel: eine ganz bestimmte Stelle, jene Stelle, an der Landstraße und Grenzfluss sich fast berührten.
»Weißt du, woran ich hier denken muss?«, fragte Vater als wir durch das Steppenland fuhren.
»Woran denn?«
»An Piroschka«, ergänzte er. Dann schwiegen wir wieder. Ich erinnerte mich an Liselotte Pulver und an die weite, flache Landschaft – die Puszta. In der Luft keimten bereits spätsommerliche Gerüche auf.
Kurz vor 17 Uhr hatten wir die Stelle gefunden – nach 960 Kilometern und 12 Stunden. Ich machte die Aufnahmen.
Wir stiegen wieder ein und fuhren die wellige Straße entlang. Im nächsten Ort – Pet‘ov – umkreisten wir den Kreisverkehr mehrfach.
»Hier muss irgendwo ein Zeltplatz sein«, sagte Vater.
»Dort, am Ende der Straße«, dabei zeigte er auf einen schmalen, schlaglöchrigen Weg. Da soll ein Zeltplatz sein? Daran glaubte keiner von uns beiden.
Noch immer regnete es und nun fuhren wir den Weg entlang – rechts sah ich vereinzelte Häuser, teilweise in ruinösem Zustand. Hinter der letzten Kuppe lag tatsächlich ein Zeltplatz. »Kemping Moongarden« stand auf dem kleinen Schild. Angekommen. Die einzigen Gäste waren ein Ehepaar mit zwei Töchtern aus Poprat und Dieter aus Moers.
Dieter, eine niederrheiner Frohnatur, kochte uns sofort einen Kaffee. Und es regnete.
Abends, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, fuhren wir über die Grenze nach Szécsény. Dieter hatte uns ein Restaurant empfohlen, in dem es typisch ungarische Küche geben solle. Das Lepénytanya lag an einem schmalen Platz.
Es gab panierten Trappistenkäse, rántott trappista sajt, und frittiertes Gemüse. Vater trank Staropramen.