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Gestern bis heute und ein fremdes Land








Die Landschaft ist dünn besiedelt. Walter von Steinäcker, der Präsident des Oberlandesgerichts Breslau, war seit 1931 NSDAP-Mitglied. Später auch in der SA. Er befürwortete ein besonders hartes Vorgehen gegenüber Kommunisten. Hoch- und Landesverrat sollten härter bestraft werden. 
Als er 1936 nach Breslau wechselte, wurde dort unter seiner Ägide gleich seinem Urgroßvater der Prozess gemacht. 
Wegen der Weitergabe einiger kommunistischer Druckschriften wurde er zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. 1998 wurde er im Zuge des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege rehabilitiert. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit 17 Jahren tot.
Walter von Steinäcker erhielt, nachdem er aus der US-amerikanischen Internierung entlassen wurde, eine staatliche Pension. Sein Urgroßvater erhielt nach fast 20 Jahren eine Entschädigung für Land mit Haus, das im Zuge der Flucht verlorenging – nach heutiger Kaufkraft 5400 €. 

Sprachlos steht er vor den Infotafeln in der Topographie des Terrors.

Er geht die Niederkirchnerstraße entlang und denkt darüber nach, dass er sich selbst eher seitlich und nicht wirklich als Teil der [deutschen] Gesellschaft begreift. Den Geruch der Prozessakten seines Urgroßvaters noch in der Nase, sieht er diese Stadt anders. Am Potsdamer Platz steigt er in die S-Bahn zum Südkreuz, wo in zwei Stunden sein Zug abfahren wird. 

Nach einiger Zeit setzt er sich auf eine Bank. 
Auf der anderen Seite sitzt ein alter Herr. Zu gut gekleidet für Zeit und Stadt und als er aufblickt, sehen sie sich für einen Moment an. Er sieht seinem Urgroßvater ähnlich, sehr sogar. An Schicksal oder Übersinnliches glaubt er eigentlich nicht, doch die Ähnlichkeit ist zu frappierend.